Wir über uns

 

  Der Arbeitskreis Gesamtschule e. V. ist 1994 gegründet worden. Seine Mitglieder sind in der Mehrzahl Lehrerinnen und Lehrer, die an Gesamtschulen unterrichten oder dort unterrichtet haben. Aufgrund ihrer praktischen Erfahrungen und gestützt auf Ergebnisse der Bildungsforschung halten sie die integrierte Gesamtschule in Deutschland unter den hier gegebenen Bedingungen nach wie vor für „ein nicht zu haltendes Versprechen“ und für „eine pädagogische Fehlkonstruktion“. Sie hat sich in den langen Jahren ihres Bestehens trotz aller Begünstigungen und trotz aller Nachbesserungen nicht als „die pädagogisch und volkswirtschaftlich effektivere Organisationsform von Schule“ erwiesen, als die sie im Jahre 1969 vom Deutschen Bildungsrat empfohlen wurde.

  Der Arbeitskreis Gesamtschule e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wohin es führt, wenn in Deutschland eine über den 4. Jahrgang hinausgehende Einheitsschule zur alleinigen Schulform gemacht würde: Eine flächendeckende Vernachlässigung leistungsstärkerer Schüler wäre die Folge. Denn die können dann nicht mehr ihren Möglichkeiten entsprechend gefördert werden. „Frühe Differenzierung fördert leistungsstarke Schüler“, so die Professoren Olaf Köller und Jürgen Baumert im Oerter/Montada 2002 (S.770) unter Berufung auf Erkenntnisse des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung (MPIB).

  Aber auch die schwächeren Schüler werden an Einheitsschulen nicht ihren Möglichkeiten entsprechend gefördert. Diese Schüler sind außerdem in den undifferenzierten Klassen weiterführender Schulen durch den Bezugsgruppeneffekt und durch ständige Unzulänglichkeits-Erfahrungen hohen psychischen Belastungen ausgesetzt, die ihnen an Hauptschulen erspart bleiben.

  Das war bereits 1984 einer der am besten bezeugten Befunde der Bildungsforschung (DFG 1973, Fend/Specht 1977, Schwarzer 1982, Steffens 1984). Aber er ist nicht zur Kenntnis genommen worden. - Das Ausblenden dieser fortschreitenden Benachteiligung von ohnehin schon benachteiligten Kindern ist der eigentliche Skandal der deutschen Gesamtschul-Bewegung.

  Der Arbeitskreis Gesamtschule e.V. hält es seit etlichen Jahren schon für seine Pflicht, auf die zurückhaltende Informationspolitik des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung (MPIB) aufmerksam zu machen: In drei aufwändigen Forschungsprojekten des MPIB ist dort nämlich herausgefunden worden, dass leistungsstärkere Schüler, „zumindest in Deutschland“, an Realschulen und Gymnasien durch die mit dem 5. Jahrgang einsetzende frühe Differenzierung in getrennten Schulformen eine deutlich bessere Förderung erfahren als an Gesamtschulen, Gemeinschaftsschulen und Sekundarschulen aller Art.

  Diese Erkenntnisse seiner Bildungsforschung sind vom MPIB nicht oder nur zum Teil und oft erst mit großer Verspätung bekannt gemacht - aber dann keineswegs mit einer dem Aufwand und der Bedeutung entsprechenden, breitenwirksamen Allgemeinverständlichkeit. Stattdessen wurden sie als „versteckte Botschaften“ in der Fachliteratur deponiert, wo sie unbeachtet und ohne Wirkung blieben. Infolgedessen geraten in Deutschland viele Schüler - und deren Lehrer - seit langen Jahren unter das Niveau ihrer Möglichkeiten.

  Der Arbeitskreis Gesamtschule e.V. teilt die Auffassung: Das mit dem 5. Jahrgang beginnende dreigliedrige deutsche Schulwesen bietet nicht die Lösung aller anstehenden Probleme. Aber es ist, wie sich gezeigt hat, sowohl für das fachliche Lernen wie auch für das soziale Lernen der effektivere Kompromiss. Und es ist optimierbar geblieben.
 

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Der Arbeitskreis Gesamtschule e.V.

ist ein Arbeitskreis von Gesamtschullehrerinnen und Gesamtschullehrern und anderen an seiner Arbeit Interessierten, darunter auch Gesamtschuleltern und ehemalige Gesamtschülerinnen und -schüler.

  • Er handelt aus pädagogischer Verantwortung sowie aus Sorge um die Ausbildung und Erziehung an integrierten Gesamtschulen.
  • Er setzt sich ein für die Weiterentwicklung des gegliederten Schulwesens und - aus pädagogischen Gründen - insbesondere für die Veränderung der integrierten Gesamtschule.
  • Er kennt und benennt die Schwächen der integrierten Gesamtschule.
  • Er befürchtet für Gesamtschülerinnen und für Gesamtschüler Nachteile in Ausbildung und Beruf.
  • Er zweifelt an der Vermittlung von Chancengleichheit durch integrierte Gesamtschulen.
  • Er hält den Zielkonflikt von Sozialer Integration, Individueller Förderung und Sozialem Lernen für ein nicht zu lösendes Dilemma.

 

 

Der Arbeitskreis Gesamtschule e.V.

ist verbands- und parteipolitisch unabhängig sowie konfessionell nicht gebunden.

  • Er bietet ein Forum für praxisorientierten Erfahrungsaustausch sowie für eine ideologiefreie Diskussion dieser Erfahrungen.
  • Er fördert den Austausch von Informationen zwischen seinen Mitgliedern und anderen an Schule und Bildungspolitik Interessierten, organisiert Informationsveranstaltungen, fördert die wissenschaftliche Auseinandersetzung und veröffentlicht Schriften zum Thema Gesamtschule.
  • Er versteht sich auch als Interessenvertretung derjenigen Lehrerinnen und Lehrer, die die Effektivität, die Leistungsfähigkeit und die pädagogischen Möglichkeiten von Gesamtschulen in Frage stellen und ihr Engagement in einer wirksameren Weise an anderen Schulformen einsetzen wollen.

 

Dieses Informationsblatt wurde im Juni 1995 konzipiert und im September 2000 von der Mitgliederversammlung erneut bestätigt.

 


 

 

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Zu unseren Aktivitäten veranlassen uns folgende Erfahrungen:

 

   Viele integrierte Gesamtschulen sind von ihrer Schülerschaft her keine Gesamt-Schulen mehr, sondern riesige, viel zu kompliziert organisierte Rest-Gesamtschulen. Sie ersetzen zumeist Hauptschulen, seltener Realschulen, fast nie Gymnasien. Sie leben vom Wettbewerbsvorteil der Ganztagsbetreuung und vom Versetzungsversprechen ("Kein Sitzenbleiben!").

   Leistungsanforderungen und Leistungsniveau an integrierten Gesamtschulen entsprechen oft nicht den Anforderungen des gegliederten Schulwesens.

   Der Unterricht in den extrem heterogenen Lerngruppen wird der Leistungsfähigkeit der einzelnen Schüler nicht gerecht. Leistungsstärkere Schüler werden hier nicht ihren Möglichkeiten entsprechend gefordert und gefördert.

   Lernschwächere Schüler, für deren Förderung die Gesamtschule besondere Sorge tragen wollte und sollte, kommen an integrierten Gesamtschulen am allerwenigsten zurecht. Auch sie können hier nicht ihren Möglichkeiten entsprechend gefördert werden und wären in kleineren, überschaubaren und weniger kompliziert organisierten Systemen mit stabilen sozialen Gruppen besser aufgehoben. Denn diese können ihnen erheblich mehr an Halt, Orientierung und Geborgenheit bieten.

   Insgesamt benötigen die heutigen Schüler mehr denn je die längerfristig stabilen Beziehungsmöglichkeiten des Klassenverbandes, um "sich wohlfühlen, emotionale und soziale Sicherheit gewinnen, Vertrauen zu sich selbst und zu anderen entwickeln" und - nicht zuletzt - um besser lernen zu können (NRW - Denkschrift 1995, S. 84).

   Dies gilt in besonderem Maße für durch ihre Herkunft benachteiligte sowie für anregungsarme, antriebsschwache, kontaktarme oder hyperaktive Schüler.

   An der integrierten Gesamtschule werden die Schüler zur individuellen Förderung Kursen mit unterschiedlichem Anspruchsniveau zugewiesen. Dieses System der Fachleistungs-Diffenzierung führt unvermeidlich zur Aufsplitterung der die Schüler stabilisierenden Klassenverbände. So wird die integrierte Gesamtschule zu einer "pädagogischen Fehlkonstruktion" (W.S. Nicklis 1974 / W. Keim 1993). Sie ist daher als integrierte Gesamtschule durch noch so viele Hilfskonstruktionen und Nachbesserungen nicht zu retten. Den vielerorts anzutreffenden Erziehungsdnotstand verschärft sie noch durch einen Beziehungsnotstand. Sie ist nicht zeitgemäß.

 

Daher empfehlen wir:

  • Den bestehenden Gesamtschulen sollte die Möglichkeit gegeben werden, schon sehr früh und sehr weitgehend wieder fächerübergreifend konstante Lerngruppen, stabile Klassenverbände also, zu bilden, wie manche hessische Gesamtschulen das bereits tun.
  • Auch an Gesamtschulen sollte es für alle Jahrgänge eine Versetzungsordnung geben.
  • Es sollten keine neuen Gesamtschulen mehr eingerichtet werden.

 

 

"Man ist entweder Teil der Lösung oder Teil des Problems.

Ich habe es vorgezogen, Teil der Lösung zu sein."

Michail Gorbadschow

 

Arbeitskreis Gesamtschule e.V. - V.i.S.d.P.: Ulrich Sprenger, Recklinghausen / Mai 1995

 

 

Der Arbeitskreis Gesamtschule e.V.

ist ein eingetragener Verein mit anerkannter Gemeinnützigkeit.

Unser Spendenkonto:

Sparkasse Vest (BLZ 426 501 50) Konto Nr.: 56 00 43 02

Eine Spendenbescheinigung wird unaufgefordert zugeschickt.